Und da brennt sie auch schon: die zweite Kerze.
Habt ihr eigentlich einen klassischen Adventskranz zu Hause, ein modernes Gesteck, Kerzen auf einem Holzstamm? Bastelt ihr selbst oder kauft ihr? Eigentlich bindet mein Mann immer einen Kranz und ich schmücke ihn. In diesem Jahr haben wir allerdings im Supermarkt einen recht schlichten Kranz gekauft (mit lilafarbenen Kerzen) und ich habe ihn "aufgehübscht".
Und dann habe ich noch eine Holzschale mit vier elektrischen Kerzen und ganz vielen Kugeln. Um den muss ich mich quasi nur einmal sonntags kümmern, wenn ich den Timer der nächsten Kerze anstelle. Sehr praktisch :))))
Ich wünsche euch einen entspannten Sonntag. Am liebsten würde ich den Rest des Tages im Weihnachtsschlafanzug auf dem Sofa kitschige Weihnachtsfilme anschauen, aber wir werden vielleicht doch eher mal einen Ausflug auf den Weihnachtsmarkt machen.
Kapitel 4
Perplex stehe ich, nachdem ich die Gästetoilette benutzt habe, wieder vor dem Hotel. Eine eiskalte Windböe trifft mich, als hätte die Schneekönigin sie persönlich in meine Richtung geschickt. Eilig schließe ich meinen Mantel und ziehe den Schal fester um meinen Hals.
«Ich verstehe das nicht ...», murmle ich und schaue Alexander fragend an. «Was ist hier los?»
«Also, es kann sein, dass ich die Reservierung irgendwie ...» Er presst die Lippen fest zusammen und wirkt wie ein Kind, das beim Stehlen erwischt wurde. Dabei ist er stets professionell und absolut zuverlässig. Ich habe mich bisher blind auf ihn verlassen.
«Ich denke, wir fahren jetzt wieder zurück.»
«Nein!», ruft er und wedelt hektisch mit den Armen. «Wir müssen zur Plantage. Du wirst dort bereits erwartet.»
Ich atme tief durch und versuche, die Wut, die in mir aufsteigt, zu unterdrücken.
«Was hast du getan?», frage ich leise und starre Alexander grimmig an. «Nein, sag es nicht. Du hast vereinbart, dass wir im Haus meiner Großeltern wohnen, oder? Wenn du denkst, dass ich dort eine ganze Woche bleibe, dann irrst du dich gewaltig.»
«Das Haus wartet nur darauf, dass es wieder bewohnt wird. Es wartet auf dich.»
Ich lache bitter auf und schüttle energisch den Kopf.
«Nichts und niemand hier wartet auf mich.» Ich öffne die hintere Tür des Wagens und lasse mich auf das weiche Polster fallen. «Fuck!» Es war ein Fehler herzukommen. Eine absolut verrückte Idee. Ich wusste es von Anfang an und habe mich trotzdem von Alexander überreden lassen. Wieso eigentlich?
«Warum sind wir hier?», frage ich, kaum, dass er neben mir sitzt. «Wieso wolltest du diese Reise unbedingt unternehmen?»
«Weil es Zeit wird, dass du dich deiner Vergangenheit stellst. Du hast dieses Erbe angenommen und ... wer weiß, vielleicht hilft es dir, dich mit dem Ort zu versöhnen.»
«Dort ist niemand mehr, mit dem ich mich versöhnen könnte. Nur eine alte Hütte und hunderte von Bäumen.»
«Wohin soll ich fahren?», fragt Fred und dreht sich halb zu mir nach hinten.
«Wir fahren zur Plantage», antwortet Alexander, ehe ich reagieren kann. «Wir werden dort bereits erwartet.» Er nennt die Adresse, die Fred ins Navi eintippt.
Ich atme erneut tief durch, während ein Gefühl von Kälte durch meinen Körper zieht und mich erstarren lässt.
Kapitel 5
Die Fahrt hinaus aus der Stadt dauert nur wenige Minuten. Die Plantage befindet sich knapp fünf Kilometer entfernt. Ich kenne immer noch jeden Straßenzug, jede Kurve, das kleine Wäldchen gleich hinter dem Ortsausgangsschild, in dem ich als Kind mit meinen Freunden gespielt habe ... Die Freunde gibt es nicht mehr. Das dumpfe Gefühl sitzt tief und füllt meinen Bauch mit jedem Meter aus.
Fred folgt einem großen Hinweisschild, auf dem eine, überaus traditionelle Familie fröhlich lächelt. Alle tragen Weihnachtsmützen und der kleine Junge hält eine Säge in der Hand. Ein perfektes Bild, dem ich niemals entsprochen habe und dem ich vor allem nicht entsprechen wollte.
«Ich glaube, es fängt an zu schneien», ruft Alexander und durchdringt meine düsteren Gedanken. «Der erste Schnee, Leon.»
«Wahnsinn», murmle ich weniger begeistert, obwohl ich mich nicht ganz dem Zauber der Schneeflocken entziehen kann. Dem Zauber der Gegend ... die trotz allem immer einen Platz in meinem Herzen hat und meine Heimat bleibt. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, nie wieder herzukommen. Kein Blick zurück. Und doch bin ich hier und schuld daran ist Alexander.
Ich schaue zu ihm hinüber, betrachte die dunklen Locken seines Hinterkopfs. Er blickt immer noch aus dem Fenster, als hätte er in seinem Leben noch nie Schneeflocken tanzen gesehen. Es sind nicht einmal beeindruckend große Flocken, eher so ein Übergang zwischen Regen und Schnee, der die Straße nur nass und glatt macht.
Die wirren Locken, in die ich so gern hineingreifen will, von denen ich schon oft geträumt habe. Die Wut kocht erneut in mir hoch. Ich bin wütend auf Alexander. Darauf, dass er mich hergeschleppt hat. Ich bin wütend ... auf Alexander und das fühlt sich sogar gut an. Endlich kann ich die Sehnsucht, den Anflug von Verliebtsein in eine andere Richtung kanalisieren. Das dumme Verlangen hat ein Ende, ebenso wie die Träume von einer gemeinsamen Zukunft. Ich bin wütend auf Alexander und das wird sich auch den Rest der Zeit, die wir hier verbringen müssen, nicht ändern. Am Ende wird er auch nur noch so einen unbedeutenden Platz in meinem Herzen einnehmen wie dieser Ort, der einst mein Zuhause war.
Ich lache bitter auf. Der Plan ist perfekt, jetzt muss ich ihn nur noch umsetzen. Die Wut darf auf gar keinen Fall verrauchen.
Kapitel 6
«Herzlich Willkommen auf der Weihnachtsbaumplantage der Familie Englert»
Das große Schild neben der Einfahrt treibt meinen Puls in die Höhe. Familie Englert? Es gibt keine Familie mehr. Nur mich und ich will nicht mal hier sein.
«Guck dir die vielen Bäume an», schwärmt Alexander.
«Was hattest du denn auf einer Plantage erwartet?» Ich bemühe mich gar nicht, den sarkastischen Tonfall zu unterdrücken.
«Ja schon, aber es sieht wie die Einfahrt zu einem Märchenwald aus.»
«Dir ist schon klar, dass die Bäume gefällt werden und in Wohnzimmern langsam sterben?»
«Wow, wann hast du dich in den Grinch verwandelt?»
«Also du mich gegen meinen Willen hergebracht hast.»
Der Wagen hält. Ich lege den Kopf in den Nacken und suche nach dem letzten Rest positiver Energie in mir, ehe ich den Gurt löse und aussteige.
Es ist wie ein Schritt in die Vergangenheit, als wäre ich durch ein Portal zurückgefallen. Das Haus sieht so aus wie damals. Dunkelgrün gestrichen, mit braunen Fensterrahmen. Ein Blumenkasten vor jedem Fenster, gefüllt mit Tannengrün und Ilexzweigen. Über der Eingangstür hängt eine Girlande und daneben steht ein großer Blumentopf, der ebenfalls festlich geschmückt ist.
«Leon Englert», ruft eine alte Frau und kommt mit erstaunlich schnellen Schritten auf mich zu. «Dass ich dich vor meinem Tod noch mal zu Gesicht bekomme, hätte ich beinahe nicht erwartet.»
«Tante Evi?», frage ich und starre die Frau an, die atemlos vor mir stehen bleibt und die Hände in die recht breiten Hüften stemmt.
«Wer denn sonst? Mein Junge! Du bist wirklich hier!»
Ehe ich mich versehe, werde ich in eine feste Umarmung gezogen, die sich nach zu Hause anfühlt. Eine Mischung aus Lavendel und Vanille steigt mir in die Nase und erinnert mich an den Duft meiner Oma. Ich schließe die Augen. Es ist so falsch, hier zu sein.
«Lass dich ansehen.» Sie geht einen Schritt zurück und betrachtet mich, wobei sie den Kopf zur Seite legt und die Brille nach oben schiebt. «Schau nur, was aus dir geworden ist. Du bist ja richtig erwachsen. Ich erinnere mich noch, wie du mit deiner kaputten Jeanshose über das Gelände getobt bist. Kein Baum war vor dir sicher und auch keine Pfütze. Und jetzt bist so so vornehm wie ein echter Geschäftsmann.»
«Was daran liegt, dass ich ein Geschäftsmann bin.»
Kapitel 7
«Tante Evi, dass ist Alexander, mein Assistent.»
«Es freut mich, dass wir uns endlich persönlich kennenlernen.» Sie drückt Alexander an sich, der mich verlegen anlächelt, ehe er die Umarmung erwidert.
Wann haben die beiden denn miteinander kommuniziert und wieso weiß ich nichts davon?
«Ich freue mich wirklich, dass ihr hier seid. Das war längst überfällig.»
Es gibt so viel, was ich darauf erwidern möchte, aber ich lasse es. Tante Evi, die eigentlich keine echte Tante von mir ist, sondern die beste Freundin meiner Oma war, führt uns zum Haus.
«Ich habe versucht, alles einigermaßen in Ordnung zu halten.»
«Dafür danke ich dir», antworte ich brav, obwohl ich mehr als einmal darüber nachgedacht habe, das Haus zu verkaufen.
«Ach, das ist doch nichts. Ich wusste, dass du eines Tages zurückkommst.»
«Ich bin nicht zurückgekommen», stelle ich augenblicklich klar. «Es ist nur ein kurzer Besuch, um mich vor Ort zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist.»
«Das Haus braucht Bewohner, neues Leben. Es verfällt, wenn es leersteht, egal, wie sehr sich jemand darum kümmert.»
«Es wird schon nicht so schlimm sein.»
Ich gehe an Tante Evi vorbei in den Flur und erstarre für einen Moment. Ich sehe sie dort auf der Treppe stehen, mich mit der Reisetasche in der Hand. Die wütenden Blicke, denn Worte hatten wir längst keine mehr. Es war so schwer, das Haus zu verlassen, zu wissen, dass ich nie wieder hier willkommen sein würde. Verdammt! Jetzt gehört alles mir. Das Haus, die Plantage ... ich habe nicht darum gebeten, aber ich konnte die Verantwortung auch nicht von mir schieben.
«Ich muss gestehen, dass im oberen Bad die Leitung defekt ist. Hardy konnte es kurzfristig nicht reparieren, also hat er erst mal alles abgeklemmt. Und das zweite Schlafzimmer ist auch nicht bewohnbar. Ich schätze, du wirst ein paar Entscheidungen bezüglich des Hauses treffen müssen.»
«Okay», murmle ich und versuche zu begreifen, was die Worte von Tante Evi bedeuten «Also nur ein Schlafzimmer und ein Bad.»
«Aber das Sofa im Wohnzimmer ist ja auch sehr bequem. Ich habe den Kühlschrank mit den Lebensmitteln aufgefüllt, die Alexander mir aufgeschrieben hat.»
«Ich freue mich schon aufs Kochen.» Er strahlt mich an. Das Kribbeln im Bauch verbanne ich mit einem grimmigen Blick.
«Ich bin in meiner persönlichen Hölle gelandet.»
Ich hoffe, für euch ist es keine Hölle :)))) denn hier kommt unser Adventsgewinnspiel. Genügend Tassen sind ja eigentlich nie vorhanden, deshalb gibt es heute eine Weihnachtstasse von mir, dazu eine Kerze (ohne Duft) und eine Kakaobombe für einen gemütlichen Nachmittag.
Die Auslosung erfolgt am nächsten Samstag (13.12.) und ihr hüpft wie immer mit einem Kommentar in den Lostopf.
Viel Glück!
(PS: das ist übrigens die letzte Tasse mit diesem Motiv)


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Susan (Sonntag, 07 Dezember 2025 10:08)
Ich wünsch dir und deiner Familie einen schönen 2. Advent.
Ich besitze einen erzgebirgischen Adventsleuchter. Dieses Jahr bleibt er aber aus wegen meiner Katze Lilly die ich erst seit November habe.
Piccolo (Sonntag, 07 Dezember 2025 12:04)
Liebe Karo,
ich wünsche dir einen schönen 2. Advent und vielen Dank für die nächsten Kapitel.
Leon kommt es so vor in seiner persönlichen Hölle gelandet zu sein, woran Alexander schuld ist. Ich bezweifle aber, dass Leons Wut auf ihn lange die Verliebtheit überlagern wird.
Ich glaube, Alexander ist auch in ihn verliebt und er will nicht länger warten, bis Leon von sich aus aktiv wird.
Ich bin mir nur noch nicht im Klaren, warum er ihn unbedingt auf die Plantage und in dieses Haus bringen musste.
Nein, ich habe weder einen Kranz noch einen Schwippbogen. Bei mir stehen dafür einige Häuschen mit Licht.
Liebe Grüße und bis nächstes Wochenende,
Piccolo
Sabine V. (Sonntag, 07 Dezember 2025 15:02)
Hallo Karo, einen schönen 2. Advent.
Ich habe eine weihnachtliche Schneekugel mit einem Weihnachtslied. Die ziehe ich jeden Adventssonntag ein paar mal auf und lausche der Musik.
Einen Kranz habe ich nicht.
LG Sabine
Annika Paul (Sonntag, 07 Dezember 2025 17:57)
Ich wünsche dir und deiner Familie einen besinnlichen 2. Advent sowie eine stressfreie Vorweihnachtszeit.
Bei mir stehen nur einige schöne Kerzen, meine wilde Katze und Deko vertragen sich nicht wirklich^^.
LG Annika
Karin Bill (Sonntag, 07 Dezember 2025 18:11)
Hallo alle,
Keine Hölle für mich. Ich liebe die Geschichte ♥️
Ich hab dieses Jahr ein „richtigen“ Adventkranz. Allerdings einen fertig gekauften. Irgendwie habe ich mich dieses Jahr zeitlich selbst überholt und plötzlich und unerwartet war die Adventszeit da und ich gedanklich noch im Oktober.
Deshalb dieses Jahr als ganz einfach.
Habt einen schönen 2. Adventsabend!
liebe Grüße, Karin
Anna (Sonntag, 07 Dezember 2025 23:23)
Ich habe dieses Jahr ein Gesteck mit einer Kerze.
Freue mich schon auf das nächste Kapitel. Ich denke Leon muss noch ein bisschen mit sich kämpfen, um sich mit seiner Situation zu arrangieren.
Allen eine schöne Woche
LG Anna
Anja Hoffmann (Montag, 08 Dezember 2025 22:12)
Hallo Ihr Lieben,
ich hoffe Ihr hattet alle ein schönen 2. Adventswochenende.
Einen Adventskranz gab es bei mir noch nie, aber ich habe eine Wandaufhängung, wo ich nach und nach vier Teelichter anmachen kann. Ansonsten habe ich aber auch noch viele kleine andere Lichtquellen, etwa elektrisch oder Teelichter.
Schöne Woche noch.
LG Anja
Brigitte Böhm (Montag, 08 Dezember 2025 22:23)
Einen schönen Advent (nachträglich)! Wir haben eine Holzschale mit 4 Kerzen und dazwischen lauter "Kleingedöns": ein paar Minikugeln, Tannenzapfen, Walnüsse und aus Filz kleine Figuren... liegt alles bunt verstreut, ich hole es am 1. Advent aus dem Keller und stelle es nach Weihnachten genauso wieder weg :-)
Mimi (Donnerstag, 11 Dezember 2025 16:20)
Ich habe es diese Jahr mal wider probiert (nachdem ich SO oft den Adventskranz mit nicht einer angezündeten Kerze entsorgt habe :'( )
Ich habe ein Metallgestell mit Halterungen für 4 Teelichte und habe das mit Weihnachtsband und Streudeko dekoriert. Und tatsächlich auch schon 2 Kerzen angezündet :D