Am 13. Dezember feiern die Schweden das Luciafest. Das Lichterfest soll Freude in die dunkle Jahreszeit bringen und ist der heiligen Lucia gewidmet.
Zum ersten Mal habe ich das Lichterfest in der Serie "Young Royals" wahrgenommen. In meinem Buch "Ein Weihnachtself für Miro" kommt es auch vor und die traditionellen Lussekatter (ein Hefegebäck mit Safran) habe ich auch schon mal für eine Weihnachtslesung gebacken.
Vielleicht hast du ja heute ein wenig Zeit, dann zünde doch eine echte Kerze an und bringe ein Licht in die dunklen Tage.
Die Weihnachtstasse hat gewonnen:
Annika Paul
Herzlichen Glückwunsch!
Bitte schick deine Adresse an: nachricht[at]karostein.de
Kapitel 8
«Jetzt trinken wir erst mal eine schöne Tasse Kaffee. Ich habe eine Dose mit Plätzchen mitgebracht. Natürlich deine Lieblingssorte ...»
«Schwarzweißschnecken», vollende ich Tante Evis Satz.
«Und ganz wichtig ...»
«Der weiße Teig muss außen sein.» Ich ziehe die Unterlippe verlegen zwischen die Zähne. Tante Evi strahlt mich an, während Alexander mich mit hochgezogenen Augenbrauen mustert.
«Was?», frage ich und bemühe mich um einen genervten Tonfall. «Hast du keine Lieblingskekse?»
«Doch, natürlich. Aber ich wusste nicht, dass du welche hast.»
«Du musst ja auch nicht alles wissen.»
«Ich bin dein Assistent. Ich weiß alles.»
Ich öffne den Mund und schließe ihn wieder. Sogar das kindische Bedürfnis, ihm die Zunge entgegenzustrecken, unterdrücke und bin beinahe stolz auf meine Impulskontrolle.
«Na, das geht ja heiß her zwischen euch», sagt Tante Evi schmunzelnd. «Kommt mit in die Küche, dort schmeckt der Kaffee besser.»
Den Spruch hat schon Oma immer gesagt. Mir ist die Bedeutung bis heute nicht ganz klar, aber erneut spüre ich, wie verbunden ich mit diesem Ort noch bin. Ich habe versucht, ihn mir aus dem Herzen zu reißen, aber das ist mir nicht sehr gut gelungen.
«Setzt euch.» Tante Evi deutet auf die Stühle mit der altmodischen Polsterung. Die Kekse stehen längst auf dem Tisch, ebenso wie Kaffeetassen mit weihnachtlichen Motiven.
«Hatte ich schon erwähnt, wie schön es ist, dass du da bist?», fragt sie, während sie Kaffee eingießt. Sie schaut mich und ihre Augen glänzen feucht. «Vermutlich willst du das nicht hören, aber deine Großeltern haben dich vermisst. Sie haben so viel von dir geredet und waren stolz auf das, was du geschafft hast.»
«Mit mir haben sie nicht geredet», erwidere ich und ein dumpfes Gefühl breitet sich in meinem Magen aus. «Kein einziger Anruf in all den Jahren.»
«Ich weiß. Ihr ward alle so verdammt stur. Als Willi gestorben ist, dachte ich, Marlene würde den Kontakt zu dir suchen, aber sie ist ihrem Mann viel zu schnell gefolgt.»
Ich schlucke schwer, denn mir fehlen die Worte. Da ist so viel Trauer in meinem Herzen, obwohl ich dachte, ich hätte das alles hinter mir gelassen.
«Aber jetzt wird alles gut.» Tante Evi schaut uns abwechselnd an. «Ihr werdet schon sehen.»
«Also diese Kekse sind wirklich lecker», sagt Alexander mit vollem Mund.
Kapitel 9
Alexander kocht und singt dabei Weihnachtslieder. Ich sitze auf dem Sofa, das Gepäck steht noch im Flur, obwohl Fred längst zurückgefahren ist. Wie gern hätte ich mich heimlich im Kofferraum versteckt. Lustlos tippe ich auf der Tastatur meines Laptops herum. Ich versuche zu arbeiten, aber meine Konzentration tendiert gegen null. Meine Gedanken tanzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart herum. Ich versuche einen Sinn in Tante Evis Worten zu finden, aber es gelingt mir nicht.
Übermorgen habe ich einen Termin mit dem Verwalter der Plantage. Außerdem gibt es ein kleines Fest für uns mit Glühwein und Grillwürstchen. Was für eine bescheuerte Idee. Leider kann ich Tante Evi nicht widersprechen. Dabei bezweifle ich, dass sich irgendjemand über meine Anwesenheit freut. Selbst Tante Evi hat nie versucht, mit mir Kontakt aufzunehmen. Niemand war auf meiner Seite, als Opa mich rausgeschmissen hat. Nun sind beide tot und eine Versöhnung ist nicht mehr möglich. Das hier hat nichts mehr mit Familie zu tun. Es ist gebundenes Kapital, das ich längst hätte abstoßen sollen. Und trotzdem offenbart das weihnachtlich geschmückte Zimmer mit dem brennenden Kamin auch andere Erinnerungen.
«Spaghetti sind in fünf Minuten fertig», ruft Alexander aus der Küche. «Schmecken auch Nudeln besser in der Küche oder gemütlich auf dem Sofa?»
«Da ich hier wohl schlafen werde, komme ich rüber.»
«Du musst nicht auf der Couch schlafen.» Er lehnt im Türrahmen. «Es ist ja irgendwie dein Zuhause. Vermutlich dein ehemaliges Kinderzimmer, oder?»
«Es ist nicht mein Zuhause», fahre ich ihn an und erhebe mich.
Ich bleibe viel zu dicht vor Alexander stehen, bemerke winzige Tropfen von der Tomatensoße in seinem Gesicht und kann mich nur mit Mühe davon abhalten, sie mit dem Daumen wegzuwischen. Sein Blick ist so tief, dass ein Schauer über meinen Rücken läuft. Die Wut aufrechtzuhalten ist nicht leicht, wenn ich mich mit jeder Faser zu ihm hingezogen fühle. Und jetzt sind wir auch noch allein in diesem verdammten Haus, das trotz aller Erinnerungen wie eine weihnachtliche Märchenhütte wirkt.
«Das Sofa sieht nicht sehr bequem aus, Leon. Du wolltest schließlich in ein Hotel und ich habe es vermasselt.»
«Du hast das hier geplant. Ich frage mich, ob du auch nur annähernd verstehst, was du mir hier antust.»
Die Wut ist zurück.
Kapitel 10
«Ich wusste gar nicht, dass du kochen kannst. Die Nudeln sind echt lecker.»
«Da ich allein lebe und unmöglich nur von Fertiggerichten und Lieferdiensten existieren kann, habe ich mir so ein paar Skills angeeignet. Es ist vielleicht keine große Kochkunst, aber für mich reicht es. Was ist mit dir?»
«Willst du wissen, ob ich kochen kann? Theoretisch lebe ich von den Lieferdiensten der Stadt, aber ich war als Kind auch oft bei meiner Oma in der Küche. Sie hat mir einiges beigebracht.»
«Da komme ich also noch in den Genuss deiner Fähigkeiten?», fragt er mit einem breiten Grinsen. Genüsslich schiebt er sich eine Gabel mit aufgedrehten Spaghetti in den Mund. Soße bleibt an seinem Mundwinkel hängen und in meinem Unterleib setzt das Kribbeln wieder ein.
«Du wolltest hier wohnen, also kannst du uns auch versorgen. Das ist doch deine Aufgabe als mein Assistent.»
«Arsch», knurrt er kaum verständlich. «Was werden wir unternehmen? Zeigst du mir die Gegend? Ich freue mich schon auf den Weihnachtsmarkt.»
Ich lege das Besteck zur Seite und atme tief durch.
«Alexander, wir sind aus geschäftlichen Gründen hier. Ich denke inzwischen, es war keine schlechte Idee von dir, mich zu dieser Reise zu überreden, denn jetzt erkenne ich, dass es Zeit wird, mich von all dem hier zu trennen. Wir werden also eine Menge damit zu tun haben, den Verkauf vorzubereiten. Wir haben außerdem kein Auto.»
«Der Leihwagen kommt morgen», sagt er. «Die Vereinbarung war, dass wir ein paar Tage frei machen und uns erholen. Du wolltest dir die Plantage anschauen. Vom Verkauf war keine Rede.»
«Das alles ist nur Ballast, den ich endlich abwerfen muss.»
«Es ist deine Entscheidung, aber wir werden trotzdem auch ein bisschen Spaß haben. Ich erwarte das volle Sightseeingprogramm.»
«Und ich erwarte, dass du mir mit diesem Mist nicht auf die Nerven gehst.»
Wir starren uns an. Alexanders Wangen färben sich dunkelrot, aber er senkt den Blick nicht. Für einen Moment möchte ich ihn daran erinnern, dass er mein Assistent und nicht mein Partner ist. Ich könnte ihm jederzeit kündigen. Aber ich will es nicht, denn ich kann nicht noch jemanden verlieren, der mir viel bedeutet, dessen Nähe sich ein bisschen nach Familie anfühlt.
«Du wirst schon genug Weihnachtswunderland sehen», sage ich leise und stehe auf.
Kapitel 11
«Das ist dein altes Zimmer, oder?», fragt Alexander, als wir gemeinsam nach oben gehen. «Bist du sicher, dass du nicht lieber hier schlafen willst?»
«Verdammt sicher sogar», antworte ich, stoße die Tür auf und schalte das Licht an.
«Wow», ruft er und betritt eilig den Raum, der genauso aussieht, wie ich ihn verlassen habe. Was für eine Zeitreise!
«Du hast Poster von Einstein, Steve Jobs und Stephan Hawking an den Wänden? Wer warst du früher? Sheldon Cooper?»
«Das sind großartige Männer, denen ich nacheifern wollte. Hat nicht so ganz geklappt.»
«Findest du? Deine Leistungen sind doch auch nicht zu verachten.» Er geht zum Bett und setzt sich auf den Rand. «Vermutlich haben einige Jugendliche jetzt schon Poster von dir an den Wänden. Immerhin gehörst du zu den zehn heißesten Junggesellen der Stadt, obwohl du ein Computernerd bist.»
«Eine Veranstaltung, zu der du mich geschleppt hast.»
«Es gibt nie zu viel Aufmerksamkeit», erwidert er mit einem breiten Grinsen. «Stell dir nur vor, jemand liegt in seinem Bett und guckt voller Begeisterung das Poster von dir an, so wie du Jobs früher angeschmachtet hast.»
«Ich habe ihn nicht angeschmachtet. Diese Männer befinden sich in einer Kiste unter dem Bett.»
«Ach echt?» Natürlich kniet sich Alexander sofort auf den Boden, um unter dem Bett nachzuschauen.
«Vermutlich haben meine Großeltern sie längst weggeschmissen.»
«Ich glaube nicht», ruft er und zieht einen Karton hervor, der mit einer dicken Staubschicht versehen, aber unverkennbar meine Geheimkiste ist.
«Mach sie ja nicht auf», fordere ich und versuche sie Alexander zu entreißen. Staub wirbelt auf und bringt uns beide zum Husten. Alexander lacht und dreht sich mit dem Karton von mir weg.
«Was hatte der kleine Leon wohl zu verbergen?», fragt er mit kindlicher Stimme und nimmt den Deckel ab. Ich habe das Gefühl, erneut durch die Zeit zu reisen. Opa, die Kiste, der Streit ... Es ging nicht um meine Sexualität, sondern um all das hier.
«Sind das Nacktbilder von deinem Freund oder hast du deinen Schwarm heimlich fotografiert?»
«Wir waren heimlich zusammen», murmle ich und starre die Bilder von Lukas an. Ich war so verliebt in ihn ...
«Und hat er auch welche von dir?»
«Ja.»
«Wohnt er noch hier? Warum habt ihr euch getrennt?»
«Guten Nacht, Alexander.» Ich schnappe die Kiste und gehe mit weichen Knien aus dem Zimmer.


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Sabine V. (Samstag, 13 Dezember 2025 09:44)
Guten Morgen Karo, bei mir brennt jeden Abend eine echte Adventskerze. Bis zum 24.12. sollte sie mir leuchten.
Ich wünsche dir Morgen einen schönen 3. Advent
LG Sabine
Manuela F. (Samstag, 13 Dezember 2025 12:21)
Hallo Karo,
ich bin gespannt wie die Geschichte weitergeht und
wünsch dir einen schönen 3.Advent
LG Manuela
Karin Bill (Samstag, 13 Dezember 2025 14:55)
Ich hab auch immer eine Kerze brennen im Winter. ❄️
Das gehört für mich dazu. Und der Teeverbrauch steigt ins astronomische.
Ich mag das und anders überlebe ich die dunkle kalte Zeit auch nicht. Ich bin ein absoluter Sommermensch. Winter geht nur mit „Schutzmaßnahmen“ und wenn ich am liebsten nicht vors Loch muss…
Habt ein gemütliches Wochenende! �
Susan (Samstag, 13 Dezember 2025 17:34)
Erstmal Herzlichen Glückwunsch an Annika.
Mit echten Kerzen bin ich wegen meiner neuen Katze erstmal zurückhaltend.
Ich wünsch euch einen schönen Abend und kommt gut in den 3. Advent
Piccolo (Samstag, 13 Dezember 2025 18:00)
Guten Abend Karo,
echte Kerzen gibt bei mir auf dem Kaffeetisch. Alles andere ist mit Katzen zu gefährlich.
Dankeschön für die nächsten Kapitel. Wenn nicht immer wieder erwähnt worden wäre, dass Alexander nur Leons Assistent ist, ich würde sofort glauben, sie führen eine Beziehung. Nun ja, was nicht ist, wird bestimmt noch. Leon kann vor seiner Vergangenheit nicht davonlaufen. Ich glaube auch nicht, dass er das Haus verkaufen wird.
Bis morgen zum dritten Advent. Wie doch die Zeit verfliegt.
Liebe Grüße
Piccolo